Obstsorten-Arche: Gartenbauvereine halfen bei Pflanzarbeiten am Hilgerhof bei Pittenhart

Wie bereits auch in den vergangenen Jahren trafen sich wieder die Mitglieder der Gartenbauvereine des Landkreises und Vertreter vom Landschaftspflegeverband zu den abschließenden Pflanzarbeiten am Hilgerhof bei Pittenhart.

Der kleine Spindelgarten-Bereich, wo noch etwa 60 Spindeln gepflanzt wurden und im Streuobstwiesen-Bereich mit den Hochstämmen sind etwa 30 Bäume – insbesondere Birnen und ein Apfel – die nachgepflanzt wurden. Weil die Pflanzen im vergangenes Jahr noch nicht lieferbar gewesen seien oder ausgetauscht werden mussten, so Markus Breier, der zuständige Kreisfachberater für Gartenkultur und Landschaftspflege vom Landratsamt Traunstein. Bis auf einzelne Bäume seien nun beide Gärten vollständig bepflanzt.

Etwa 50 Helfer von Gartenbauvereinen des Landkreises – bis aus Übersee und Inzell und mit Mitgliedern des Landschaftspflegeverbandes, die sich besonders für Streuobstwiesen interessieren, bis hin zu umliegenden Landwirten und Nachbarn aus Niederbrunn – waren mit Schaufel, Gießkanne, Schubkarre und ihren Arbeitsgeräten zur Stelle und haben sich ehrenamtlich für dieses schöne Projekt und den Sortenerhalt eingebracht.

Bedingt durch die vielen Mäuse, die letztes Jahr auftraten, wie Breier sagt, seien im Spindelgarten vermehrt Ausfälle zu vermelden. Die Mäuse hatten vor allem die jungen Wurzeln der Spindelbäume verletzt und die Pflanzen mussten nun ausgetauscht werden.

Jeder Baum habe seinen Pflanzplatz, seine Nummer und alle Spindelbäume seien genetisch überprüft – was ganz wichtig sei, denn der Niederbrunner Obstgarten werde ein Reverenz-Garten, wie Markus Breier stolz berichtete – er werde eine Herzkammer des Projektes.

Die zweite Kammer des Herzens ist der Sortenerhaltungs-Garten Höhenmoos in der Gemeinde Rohrdorf, in dem dieselben Spindeln gepflanzt sind. Beide Gärten zusammen bilden den genetischen Fundus, auf den zukünftig zurückgegriffen werden kann, wenn es um künftige Vermehrung der Bäume mit den alten Obstsorten geht.

Erfreulich war, dass bereits die allerersten Einzelfrüchte dieses Jahr geerntet werden konnten, die schon mal die Farbvielfalt der Früchte erkennen ließen. Gerade diese ersten Früchte sind noch nicht zwingend typisch für Form und Größe.

Erstmal sei es wichtig, dass die Bäume Wurzeln bilden und richtig anwachsen, erzählte Markus Breier mit großer Begeisterung. Gerade die gepflanzten Nachzuchten würden in den nächsten Jahren intensiv beobachtet und ab 2026 solle begonnen werden, dass Bäume oder auch Reiser an Streuobstwiesen-Besitzer abgegeben würden.

Nach getaner Arbeit ging’s in den Saal im Hilgerhof, wo alle Helfer zu einer Brotzeit eingeladen waren.

Von den Mitgliedern des Kulturvereines des Hilgerhofes und dem Pittenharter Gartenbauverein wurde die Bewirtung in hervorragender Weise übernommen – über Kartoffelsuppe bis hin zu frischen Apfelkiacherl kamen viele kulinarische Leckereien auf den Tisch.

Die griabige Helferfeier im Saal des Hilgerhofes wurde von der Klarinetten-Musi der Musikinitiative Pittenhart mit Klaus Stöcklhuber musikalisch untermalt. Vom Hausherrn und Bürgermeister Reithmeier bekamen die Gäste einiges über Historie und Nutzung des Hilgerhofes zu hören, der ja sein 300. Jubiläum feiert.

In einer geselligen Runde wurde somit der Abschluss des ersten Projektes gebührend gefeiert. Großen Anklang fand die Verkostung der verschiedenen sortenreinen Apfelsäfte, der delikaten Edelbrände und Dörrobst-Pralinen. Markus Breier freute sich über die vielen Helfer und Besucher, zu denen auch der 1. Vorsitzende des Bezirksverbandes Oberbayern für Gartenkultur und Landschaftspflege – Michael Luckas – und der Geschäftsführer des LPV – Jürgen Sandner – zählten. Ihnen dankte er für ihr Engagement und ihren Einsatz beim auslaufenden Projekt und zudem stellte er die Zukunft der bisherigen Arbeit mit dem Nachfolgeprojekt „Apfel-Birne-Berge 2.0“ vor.

Der Landkreis Traunstein wolle sich auch weiterhin um den Erhalt und der Weiterverbreitung der alten Obstsorten kümmern, in dem es nicht mehr darum gehe, Sorten zusammenzutragen, sondern sie zu verbreiten und wieder in der Region anzupflanzen.

Schwerpunkte des neuen Biodiversitäts-Projektes „Apfel-Birne-Berge 2.0“ sind neben der Wiederverbreitung der gesicherten Sorten in großer Zahl in den Streuobstwiesen der Region auch die Weitergabe von Wissen in Seminaren für Einsteiger und Fortgeschrittene sowie eine Nachfrage nach den Früchten dieser Sorten.

Ihre Vermarktbarkeit wird mitentscheidend sein für den Erhalt des Lebensraumes Streuobstwiese im Allgemeinen und der alten Regionalsorten im Besonderen.

Michael Luckas war voll des Lobes über das große, ehrenamtliche Engagement aus den Reihen der Gartenbauvereine, um so ein tolles und nachhaltiges Projekt auf die Beine stellen und unterstützen zu können.

In sechs oberbayerischen Landkreisen im Voralpenland – von Weilheim-Schongau bis zum Berchtesgadener Land – wurden in den vergangenen Jahren 272 unbekannte sowie sehr seltene Apfel- und Birnensorten gesichert und konnten durch Nachzucht vor dem Aussterben gerettet werden.

In sechs Sortenerhaltungs-Gärten wurden über 600 Spindelbäume und mehr als 700 Hochstämme gepflanzt.

Mit der Obstsorten-Arche am Hilgerhof leistet der Landkreis Traunstein dazu einen sehr bedeutenden Beitrag. Der Sortenerhaltungsgarten am Hilgerhof wird teils aus Fördermitteln des Naturschutzes und teils als Ökokonto des Landkreises Traunstein finanziert.

EMK