Der engagierte Kiebitz-Schutz im Landkreis Mühldorf: Höchste Schlupf-Rate seit vier Jahren
Solche Bilder sollen in der Landschaft wieder häufiger werden: Eine Kiebitz-Mutter mit ihren Küken auf einem Acker im Landkreis Mühldorf. Das wünscht man sich nicht nur im dortigen Kreisgebiet.
Wieder ist der gemeinsame Schutz des stark gefährdeten Brutvogels notwendig – der Bestand ist deutschlandweit seit 1980 um katastrophale 93 Prozent zurückgegangen. Pünktlich zum Beginn der Brutsaison stehen die Engagierten des Kiebitz-Schutzprojektes im Landkreis Mühldorf bereit, die Nester zu schützen und die erfolgreiche Aufbauarbeit der Vorjahre fortzusetzen. Dabei sind sie auf die Mithilfe und Rücksicht aller im Landkreis angewiesen.
Der Frühling lockt wieder viele Menschen ins Freie. Oftmals sind die ausgesuchten Ziele nicht nur schöne, sondern auch wichtige Schutz- und Brutgebiete für selten gewordene Arten. Auch die Brutzeit der Feldvögel, wie Kiebitz, Feldlerche und Co. beginnt nun wieder. Durch ihr besonderes Brutverhalten in Wiesen und Feldern sind diese Vogelarten sehr anfällig für Störungen.
Wiesenbrüter stehen allesamt auf der roten Liste und bedürfen deshalb unseres besonderen Schutzes. Brütete der Kiebitz früher in der Regel auf extensiv genutzten Feuchtwiesen, so sind die Nester heute aufgrund des starken Rückgangs seiner ursprünglichen Brutstandorte überwiegend auf Äckern zu finden. Aber auch auf den Äckern sind die gut getarnten Nester des Bodenbrüters nicht sicher, denn jetzt im Frühjahr beginnt auch die Bewirtschaftungszeit auf den Feldern. In den kommenden Wochen und Monaten sind deshalb wieder Aktive des jährlichen Kiebitz-Schutzprojektes unterwegs, um Kiebitzgelege auf Äckern ausfindig zu machen und zu schützen.
Das Kiebitz-Schutzprojekt im Landkreis Mühldorf ist ein Gemeinschaftsprojekt von Landesbund für Vogelschutz und Naturschutz in Bayern e.V. (LBV), Bayerischem Bauernverband (BBV), Wildland-Stiftung Bayern, unterer Naturschutzbehörde des Landkreises Mühldorf und dem Landschaftspflegeverband Mühldorf (LPV), der seit 2020 die Projektkoordination verantwortet.
Es wird finanziert über eine 90prozentige Förderung aus Mitteln des Freistaates Bayern. Jeder einzelne Projektpartner leistet dabei einen grundlegenden Beitrag zum Kiebitz-Schutz. Nur gemeinsam und unter Mithilfe jedes Einzelnen können die Kiebitzvorkommen im Landkreis in Zukunft gesichert und gestärkt werden.
Das Engagement der Kiebitz-HelferInnen gewährleistet die Schutzmaßnahmen
Die ehrenamtlichen Kiebitz-HelferInnen sind inzwischen wieder unterwegs, um auf den Ackerflächen nach balzenden Kiebitzen Ausschau zu halten. Wie bereits in den letzten Jahren wird sich die Projektkoordinatorin Esther Lindner vom LPV Mühldorf dann wieder mit den BewirtschafterInnen in Verbindung setzen und um die Genehmigung für das Betreten der Flurstücke und das Markieren der Neststandorte bitten, so dass die Gelege mit zwei gekreuzten Bambusstecken jeweils ca. fünf Meter vor und nach dem Nest markiert werden können.
Dadurch hat der Landwirt die Möglichkeit, die ansonsten auf dem Feld kaum erkennbaren Gelege bei der Bewirtschaftung zu umfahren und damit vor der Zerstörung zu bewahren. Als Anerkennung für ihre Mithilfe sollen die LandwirtInnen auch in diesem Jahr wieder eine Nestprämie für jedes erfolgreich geschlüpfte Nest erhalten. Finanziert wurde die Nestprämie bisher immer durch die großzügige Unterstützung des Landkreises Mühldorf sowie der jeweiligen Gemeinde.
Dank des großen Engagements im Kiebitzschutz seitens aller Projektpartner konnten im vergangenen Jahr im Rahmen des Projektes 51 Kiebitznester auf Ackerstandorten markiert werden. 37 Gelege davon verzeichneten einen Schlupferfolg. Das entspricht einem Anteil von 72 Prozent und ist zugleich die bisher höchste Schlupferfolgsrate seit Beginn der genauen, landkreisweiten Erfassung im Jahr 2020 – ein Ergebnis, das Hoffnung macht.
Jeder kann durch rücksichtsvolles Verhalten zum Schutz des gefährdeten Wiesenbrüters beitragen
Auch in diesem Jahr weisen während der Brutsaison an Feld- und Spazierwegen aufgestellte Schilder auf vorhandene Kiebitz-Brutgebiete hin. Bitte bleiben Sie in diesen Bereichen auf den Wegen und nehmen Sie ihre Hunde an die Leine. Denn querfeldein laufende Personen und freilaufende Hunde verursachen eine starke Störung der brütenden Kiebitze. Für die Vögel bedeutet dies großen Stress und einen hohen Energieverbrauch. Gelege und Jungvögel werden dadurch verlassen und ohne Schutz zurückgelassen, teilweise wird die Brut sogar aufgegeben.
Die Erfahrungen aus den letzten Jahren des Kiebitz-Schutzprojektes haben gezeigt, dass die noch verbliebenen Kiebitze im Landkreis Mühldorf langfristig nur mit unterstützenden Maßnahmen und unter Beteiligung Aller Aussichten auf eine Bestandserholung haben. Im Rahmen des Kiebitz-Schutzprojektes wollen deshalb alle Projektpartner gemeinsam und mit der Unterstützung der Landwirtinnen und Landwirte, der Jägerinnen und Jäger und der Bevölkerung dem Kiebitz helfen.
Sollten jemand balzende Kiebitze auf Ackerflächen beobachten, ist eine Meldung an untenstehenden Kontakt hilfreich.
Für mehr Informationen zum Projekt bitet sich wenden an den Landschaftspflegeverband Mühldorf:
Projektkoordinatorin Esther Lindner
Telefon: 08631 / 699 576,
E-Mail: e.lindner@lpv-muehldorf.de
Foto: LPV Mühldorf
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