Nachdenkliche Komödie bei der Theatergemeinschaft Amerang
Planung ist das halbe Leben – aber eben nur das halbe, könnte als Ergebnis des Geschehens und als Motto über der diesjährigen Vorstellung der Theatergemeinschaft Amerang in der Gemeindehalle stehen, dabei zumindest den Zuschauern auf sehr unterhaltsame Weise vermittelt.
Die Ameranger Theaterer sind bekannt dafür, dass sie ihrem Publikum gern komödiantisches und daneben nachdenkliches präsentieren. So fiel ihre Wahl auch dieses Jahr auf ein zeitgenössisches bayerisches Stückl aus dem bäuerlichen Milieu, aber mit durchaus ernstem Hintergrund.
Bauer Benno hat seine Kinder zum Studieren in die Großstadt geschickt, damit sie anschließend den Hof übernehmen oder als Tiermedizinerin dafür hilfreich sein können, ohne Josef, Sebastian und Theresa zu fragen, ob das für sie passt. Darüber hinaus ist es Vater Benno überaus wichtig, dass seine Kinder möglichst schnell die nach seiner Meinung für den Erhalt des Bauernhofes richtigen Partner finden und heiraten. Noch zusätzlich hat auch die Magd Maria einen Plan, wen sie heiraten möchte. Als nun in den Sommerferien Josef, Sebastian und Theresa sich am elterlichen Hof treffen, beschließen sie, ihrem Vater eine Lehre zu erteilen und seine diversen Pläne einige Tage lang in Frage zu stellen.
Josef, der Weiberheld, verkündet, nun Pfarrer werden zu wollen und geht ab sofort segnend über den Hof. Sebastian, der jüngste und schüchternste, gibt vor, ein Verhältnis mit einer älteren Dame zu haben, die auf dem Hof als Urlaubsgast Quartier genommen hat. Theresa muss bezüglich ihrer vom Wunsch des Vaters abweichenden Interessen nichts vorspielen, denn sie will tatsächlich lieber Kunst als Tiermedizin studieren, dafür täuscht sie vor, lesbisch zu sein.
Dargeboten wird das Ganze mit viel Situationskomik, denn die Autorin Tanja Leitner gehört selbst zu einer Theatergruppe in Klingsmoos, einem Ortsteil von Königsmoos im Donaumoos in der Nähe von Ingolstadt, und weiß, dass ihr Publikum Wert darauf legt, dass es im Theater etwas zum Lachen gibt.
Der Genuss für die Zuschauer liegt nicht nur im vergnüglichen Geschehen der Komödie, sondern in der ausgefeilten schauspielerischen Darbietung durch das Ensemble unter der Regie von Hans Wurmannstetter und Monika Rechl, die zusätzlich die Nachbarin der Familie spielt, mit „alten Hasen“ und jungen Talenten. Rupert Huber gibt dem sorgenden bäuerlichen Familienvater mit allen seinen Fehlern doch ein sympathisches Gesicht, lässt den Zuschauer seine Nöte gut verstehen. Angelika Schmid vermittelt als seine Frau in bewährter Weise darstellerisch das Bemühen, ihren Mann auf den Boden der Tatsachen zu bringen. Erstmals dabei fügt sich der erst 19jährige Manuel Finsterwald als Sohn Josef äußerst vielversprechend in das Ensemble der Theatergemeinschaft Amerang ein mit der bravourösen Darstellung der zwei Seiten seiner Rolle als flapsiger Weiberheld der Familie und blasierter Priester. Ebenfalls noch jung, aber schon mehrmals in Aufführungen der Ameranger Theatergemeinschaft dabei, überzeugt Roman Wurmannstetter in der Rolle des jungen Sebastian mit angeblicher Vorliebe für etwas reifere Frauen, ebenso Sandra Kirschner als Tochter Theresa und Katharina Warmedinger als ihre angeblich lesbische Freundin.
Zum bewährten Personal mit viel Theatererfahrung gehört Karina Köhldorfner. Ihre sehr gut durchgeführte Aufgabe ist es, als Brigitte Martin, Urlaubsgast auf Bennos Hof, angeblich eine französische Dame, die allerdings in den Augen von Benno als Partnerin für dessen Sohn Sebastian viel zu alt ist, in der Beurteilung des Geschehens die Sache auf den Punkt zu bringen – alle Handelnden spielten nämlich in einem Theaterstück im Theaterstück mit.
Ebenfalls gut ausgefüllt ist die Rolle der Magd Maria durch Maria Scalise, der Part von Sepp Mitter als Klaus Spitzweg und von Katharina Thaller als Postbotin Anna.
Wer erfahren will, ob am Schluss überhaupt irgendein Plan der Beteiligten so richtig aufgegangen ist: Die nächsten Aufführungen der Theatergemeinschaft Amerang in der Gemeindehalle finden heute und morgen statt. Weitere Aufführungen sind am Freitag, 4. April und Samstag, 5. April, jeweils um 20 Uhr. Karten gibt es im Getränkepark „Die Getränkekönner“ Michael Kipnick in Amerang und an der Abendkasse, Kartenreservierungen können bei Sepp Wiesböck unter 0151/750 277 21 oder konrad.gubisch@t-online.de vorgenommen werden.
IG
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